Im Reich der Frau Holle









Annette Rath-Beckmann
Historikerin | Matriarchatsforscherin

Das Märchen von der Frau Holle



Die Brüder Grimm lebten und arbeiteten in Kassel, wo sie den Stoff für ihre Märchen aus Begebenheiten (den Mären) zusammentrugen, die sich die Menschen nicht nur an langen Winterabenden am Ofen erzählten.

Das Märchen von der Frau Holle

Frau Holle - Goldmarie und Pechmarie

Schulwandbild aus dem Verlag Meinhold und Söhne, Dresden
Original: Deutsches Märchen- und Wesersagenmuseum Bad Oeynhausen 


Wilhelm Grimm notierte in einem Handexemplar der 1. Ausgabe der Kinder- und Hausmärchen bei der Frau Holle folgendes: 'Dortchen, 29. September 1811, im Garten'.

Dies weist darauf hin, dass ihm das Holle-Märchen von Dorothea Wild, verh. Viehmann, erzählt worden war, die wiederum aus einer anderen Quelle schöpfte, nämlich aus den Erzählungen der alten Marie, die im Haushalt der Familie Wild arbeitete und aus Nordhessen stammte.

vgl. Heinz Rölleke (Hrsg.), Kinder- und Hausmärchen Nr 24, gesammelt durch die Brüder Grimm. Vollständige Ausgabe auf der Grundlage der 3. Aufl. (1837), Darmstadt, 1999.

Frau Holle wäre demnach ein echtes Volksmärchen mit vermutlich langer mündlicher Erzähltradition, und die Geschichte von Goldmarie und Pechmarie eine Variante des Erzählstoffs, wie er uns in den Mythen von 'Erdschlange' bzw. 'Erdwürmchen' und 'Goldtöchterchen' begegnet.
Frau Holle

Frau Holle

Karte: Heike Sührig


Karl Paetow - Das Erdwürmchen

Karl Paetow - Frau Holle im Born


Während die Mythe von Erdschlange den magischen Bereich ebenso wie den hauswirtschaftlichen umfasst, geht es vordergründig im 'Frau-Holle-Märchen' um biedermeierliche weibliche Tugenden wie das Erlernen einer guten Haushaltsführung sowie um gerechte Entlohnung für fleißige Arbeit bzw. deren Gegenteil.

Dahinter steht jedoch eine Parabel für ein gutes, mit den Gesetzen der Natur in Einklang stehendes (Goldmarie) bzw. ein missglücktes, diese Gesetze missachtendes Leben (Pechmarie).

Beide Mädchen gehen, bevor sie in Holles Reich eintauchen, einer wichtigen häuslichen Tätigkeit nach: dem Spinnen. Weitere Herausforderungen begegnen ihnen nach ihrer Ankunft bei Frau Holle: sie treffen auf sprechende Brote und Apfelbäume, schütteln Kissen, aus denen es schneit, und es geht ihnen gut bei Frau Holle.

Die jungen Frauen werden unterrichtet in magisch-schamanischer (Schnee machen, durch die Lüfte fahren) und hauswirtschaftlicher Kunst (Brot aus dem Ofen holen, Äpfel pflücken, Kuh melken).

Annette Rath-Beckmann
'Die schamanischen Elemente im Märchen von der Frau Holle'


Frau Holle nimmt eine eher beobachtende Position ein und lässt beide Mädchen ihre Arbeit so tun, wie sie es für richtig halten.

Der Ausgang des Märchens, die Ausschüttung von Gold bzw. Pech kann einerseits biedermeierlich im Sinne einer Moral von der Geschichte interpretiert werden, wobei der erhobene Zeigefinger der ermahnenden Hausmutter deutlich würde, andererseits aber auch als gerechter Ausgleich in einer Welt, in der die natürliche Ordnung respektiert (Goldmarie) oder ignoriert wird (Pechmarie). Aber lassen wir nun die Brüder Grimm selbst zu Wort kommen mit ihrer Geschichte von der Frau Holle.

Brüder Grimm - Frau Holle

Wohlfahrtsmarken Frau Holle  1967 - Deutsche Bundespost

Goldmarie am Spinnrad Frau Holle schüttelt die Betten Pechmarie Goldmarie
Marie,
die fleißige Spinnerin
Frau Holle,
die Wettermacherin 
Pechmarie  Goldmarie






































nach oben










































nach oben

































nach oben